Schimmel dokumentieren – so sicherst du Beweise richtig

Wer Schimmel in der Mietwohnung entdeckt, denkt meist zuerst ans Entfernen. Das ist verständlich – aber in vielen Fällen der falsche erste Schritt. Bevor irgendetwas behandelt, gestrichen oder gereinigt wird, sollte der Schaden dokumentiert sein. Vollständig, nachvollziehbar und mit Datum.

Gute Dokumentation ist der Unterschied zwischen einer starken und einer schwachen Position – gegenüber dem Vermieter, gegenüber einem Gutachter, und im schlimmsten Fall vor Gericht.

Warum Dokumentation so wichtig ist

Schimmel ist flüchtig – nicht im wörtlichen Sinn, aber als Beweis. Wer ihn behandelt, bevor er ihn dokumentiert hat, verliert die Möglichkeit, Ausmaß, Lage und Beschaffenheit im Nachhinein nachzuweisen. Der Vermieter kann dann behaupten, der Schaden sei kleiner gewesen als angegeben. Oder er war gar nicht da. Oder das Foto zeigt nur Schatten.

Das klingt nach einem Extremfall – ist es aber nicht. In Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern über Schimmelschäden sind genau diese Situationen häufig. Wer keine belastbaren Beweise hat, hat es schwerer.

Fotos richtig machen

Der wichtigste Teil der Dokumentation sind Fotos – und hier kommt es auf Details an, die viele übersehen.

Übersichtsaufnahmen zuerst. Bevor man nah herangeht, den Raum insgesamt fotografieren, sodass die Lage der betroffenen Stelle klar erkennbar ist. Welche Wand, welche Ecke, wie weit von der Tür oder dem Fenster entfernt. Das gibt dem Foto räumlichen Kontext.

Nahaufnahmen mit Maßstab. Ein Lineal, ein Maßband oder ein allbekannter Gegenstand – eine Münze, ein Kugelschreiber – neben den Schimmelfleck legen und fotografieren. So ist die tatsächliche Größe des Befalls später nachvollziehbar, auch ohne die Stelle selbst gesehen zu haben.

Schärfe und Beleuchtung. Bei schlechtem Licht wirken Schimmelflecken kleiner und weniger eindeutig als sie sind. Zusatzbeleuchtung verwenden, wenn das Deckenlicht nicht ausreicht. Die Fotos auf dem Display prüfen – unscharf oder überbelichtet ist kein brauchbarer Beweis.

Mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln. Schimmel sieht aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich aus. Mehrere Fotos sichern ab, dass die Aufnahmen im Nachhinein nicht als Zufallsprodukt oder Fehlinterpretation abgetan werden können.

Zeitstempel aktivieren. Die meisten Smartphones speichern das Aufnahmedatum automatisch in den Metadaten der Bilddatei. Wer sichergehen möchte, kann zusätzlich eine aktuelle Zeitung oder ein ausgedrucktes Datum mit ins Bild halten – altmodisch, aber eindeutig.

Was noch dokumentiert werden sollte

Fotos allein reichen oft nicht aus. Ergänzend sinnvoll sind:

Schriftliche Beschreibung. Datum der Entdeckung, betroffene Räume, ungefähre Fläche des Befalls, ob Geruch wahrnehmbar ist, ob Bewohner gesundheitliche Beschwerden bemerkt haben. Kurz, sachlich, ohne Bewertung der Schuldfrage.

Messwerte. Wer ein Hygrometer besitzt, sollte die Luftfeuchtigkeit in den betroffenen Räumen messen und die Werte mit Datum und Uhrzeit notieren. Das liefert objektive Daten, die helfen können, die Ursache einzuordnen.

Verlaufsdokumentation. Schimmel wächst. Wer den Befall über mehrere Wochen hinweg immer wieder fotografiert und die Bilder datiert, kann zeigen, dass das Problem sich vergrößert – und nicht behandelt wurde.

Kommunikation sichern. Jede Nachricht an den Vermieter aufbewahren – E-Mails, SMS, schriftliche Briefe mit Einschreiben. Antworten ebenfalls archivieren. Wer per Telefon kommuniziert, sollte das Gespräch kurz schriftlich zusammenfassen und per E-Mail bestätigen lassen.

Die Meldung an den Vermieter

Die Dokumentation ist nur dann vollständig wirksam, wenn der Vermieter auch nachweislich informiert wurde. Eine mündliche Erwähnung beim nächsten Treffen reicht nicht. Was zählt, ist eine schriftliche Meldung – per E-Mail ist in den meisten Fällen ausreichend, da sie einen eindeutigen Zeitstempel und einen Nachweis der Zustellung bietet.

Die Meldung sollte sachlich sein: Beschreibung des Schadens, Lage, ungefähre Größe, Datum der Entdeckung. Fotos als Anhang mitschicken. Keine Schuldzuweisungen, keine Forderungen im ersten Schreiben – nur die Tatsachen.

Wer per Brief meldet, sollte Einschreiben mit Rückschein wählen, damit der Empfang nachweisbar ist.

Was nach der Meldung zu tun ist

Auf eine Reaktion des Vermieters warten – aber nicht unbegrenzt. Eine angemessene Frist zur Reaktion und zur Ankündigung von Maßnahmen liegt je nach Dringlichkeit bei ein bis zwei Wochen. Ist der Befall gesundheitlich relevant oder großflächig, kann die Frist kürzer angesetzt werden.

Reagiert der Vermieter nicht oder weist die Verantwortung zurück, ist das der Punkt, an dem weitere Schritte sinnvoll werden – Mieterverein, Gutachter, rechtliche Beratung. Mehr dazu im Artikel Schimmel in der Mietwohnung – Mieter oder Vermieter?

Ob ein Gutachter notwendig ist und wann man ihn einschalten sollte, beschreibt der Artikel Wann muss ein Gutachter für Schimmel an die Decke?

Ein praktischer Hinweis zum Schluss

Die gesammelten Fotos, Messwerte und Schriftstücke an einem sicheren Ort ablegen – und eine Kopie außerhalb der Wohnung oder in der Cloud speichern. Wer bei einem Wasserschaden oder einer Havarie wichtige Beweise auf dem Gerät verliert, das dabei beschädigt wurde, hat ein unnötiges Problem mehr.

Dokumentation ist keine Bürokratie. Sie ist Selbstschutz – und in einem Mietstreit über Schimmel oft das Entscheidende.